Street Art Touren durch Hamburg – mit Stencil-Künstler Lapiz!

In Hamburg floriert eine lebendige Street Art Szene, deren Eigenheiten und Geheimnisse dem Wochenendbesucher oft verborgen bleiben. Dabei lohnt sich ein intensiverer Blick auf die lächelnden Smileys des traurigen OZ, auf den Kauz, der in der gesamten Stadt die Bibel zum Märchenbuch deklariert, auf die St. Pauli-Figuren von Rebelzer, die unzähligen Schanzen-Stencils, Grafittis, Murals, Installationen und Tags und auf die Verflechtungen der lokalen Szenenentwicklung mit dem Zeitgeschehen. Wenn Ihr Hamburgs Straßenkunst entdecken wollt, liebe Superbuden-Gäste, dann empfehle ich Euch echte Straßenkünstler als Tourguides. Einen davon stelle ich Euch hier samt seiner Hamburg Street Art -Touren vor:

Souldmates -2017- Teufelsberg, Berlin / Lapiz
Souldmates -2017- Teufelsberg, Berlin / Lapiz
Freedom Fighters - 2017 - Kunsthalle Wilhemlshaven / Lapiz
Freedom Fighters – 2017 – Kunsthalle Wilhemlshaven / Lapiz

Lapiz ist viel herumgekommen. Nach seinem Biologiestudium arbeitete er in einer HIV-Kinderklinik in Südafrika als Immunologe. Er lernte dort ein wunderschönes, chaotisches, korruptes Land voller Wahnsinn und netter Leute kennen. Seine Doktorarbeit schrieb Lapiz in Neuseeland – dort erwartete ihn ein kulturelles Kontrastprogramm: die beiden idyllischen, abgelegenen Inseln sind kein Schauplatz für weltpolitisches Geschehen; die Zeitungen berichten vorzugsweise über in Bäumen festhängende Katzen. Wer ein Fahrrad klaut, wird von der Uni geschmissen und die rebellischen Eskapaden der jungen Leute beschränken sich aufs Sofa-Verbrennen.

Mit den noch frischen Erinnerungen aus Südafrika im Gepäck, entdeckte Lapiz in Neuseeland das eigene Verlangen nach öffentlichen sozialkritischen Statements. Hier begann er mit seinen Stencils (eng. für Schablone; bei dieser Version der Straßenkunst werden eine oder mehrere Schablonen angefertigt, mit deren Hilfe ein Graffiti gesprüht wird).

Während viele Straßenkünstler den Kick der Illegalität genießen, gehört Lapiz eher zur paranoiden Sorte. Für ihn steht der Ausdruck und die politische Aussage seiner Arbeiten an erster Stelle. In Neuseeland wollte er mit seinen Stencils darauf aufmerksam machen, dass das Leben in anderen Teilen der Welt erschreckend anders abläuft als auf den gemütlichen kleinen Inseln.

Nach seiner Zeit in Neuseeland machte Lapiz in Buenos Aires in Argentinien seinen Postdoc im Landwirtschaftsministerium. Die Stadt entpuppte sich schnell als Mekka für Street Art: von der Polizei wird man auch tagsüber nicht am Malen gehindert, selbst wenn man ganze Hauswände mit Farben füllt. Hier entdeckte Lapiz seine Freude an großflächigen Aussagen, mit denen man viele Menschen erreichen kann.

Rimbaud - 2015 - Buenos Aires / Lapiz
Rimbaud – 2015 – Buenos Aires / Lapiz
Likes Don't Feed - 2014 - Buenos Aires / Lapiz
Likes Don’t Feed – 2014 – Buenos Aires / Lapiz

Nach Abstechern als Tourguide in Patagonien und einer Reise durch Brasilien kehrte Lapiz nach Buenos Aires zurück, suchte dort nach Wissenschaftsjobs – und fand stattdessen eine Anzeige für einen Streetart-Tourguide. Er bekam den Job und arbeitete nun als gut bezahlter Touristenführer – von den Reisenden wurde er in Dollar bezahlt, die bei Weitem wertvoller waren als der inflationäre Peso.

Nachdem die Inflation in Argentinien rasend zugenommen hatte und es sich kaum lohnte, Geld zu sparen, entschloss Lapiz sich zu einer Rückkehr nach Europa. Seitdem ist er im Sommer viel unterwegs, arbeitet weiterhin als Tourguide, besucht Street Art Festivals und nimmt Auftragsarbeiten an. Eine davon könnt Ihr sogar in der Superbude St. Georg bewundern!

In der Hamburger Szene kennen sich die meisten gut, erzählt Lapiz. Es ist eine eher lokale Szene, wenige der Künstler sind weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt. Es gibt unter den Alteingesessenen viel Respekt – Tags und Graffittis anderer Künstler werden nicht übermalt. Viele Werbeleute und Illustratoren, die sich mit Marketing auskennen, haben sich in unserer Medienstadt mit Street Art beschäftigt. Besonders St. Pauli, das Karoviertel und die Schanze sind eine zusammenhängende Open Air Ausstellung zeitgenössischer Straßenkunst. Für Lapiz könnten politische und gesellschaftskritische Grafittis in Hamburg jedoch stärker vertreten sein.

In Hamburg findet Ihr die Touren von Lapiz (Paul) und seiner Kollegin Agnes unter hamburgstreetart.de. Dort könnt Ihr für 20 Euro (15 Euro ermäßigt, für Kinder bis 12 Jahre kostenlos) eine etwa zweieinhalbstündige Tour buchen. Mehr erfahrt Ihr auf der Seite!

Wir hoffen, dass Ihr die Hamburger Straßenkunst bald in allen Ecken (neu) entdeckt!

Eure Superbude

Nächste Woche geht’s hier um unsere Mitarbeiterin Kimi!

 

 

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