Die Affenfaust Galerie

Wer heute in der Paul-Roosen-Straße 43 nach Grandessa Heidelbeer-Konfitüre, Espresso-Spezialitätenkapseln, Desira Quark-Desserts und anderen Instant-Gute-Laune-Kicks für Magen und Geldbeutel sucht, muss sein Gehirn beim Anblick der alten Aldi-Filliale erst einmal umstrukturieren. Aktuell hängen hier auf rund 1000 Quadratmetern einige großformatige, teils fotorealistische Malereien, neben denen eine große Auswahl bunter Kleidungsstücke den Besucher zur Auseinandersetzung mit urbaner Camouflage einlädt. Der Quantensprung vom Genussmittel -Discounter zum intellektuellen Knotenpunkt steht für die besondere Eigenschaft der Affenfaust-Galerie, mit urbanen Gegebenheiten zu arbeiten und im öffentlichen Raum neue Denkanstöße zu geben.

Affenfaust Galerie
Affenfaust Galerie
Foto: David Goltz
Foto: David Goltz

Seit etwa fünf Jahren bietet die Affenfaust-Galerie, aktuell geleitet von den Galeristen Frederik Schäfer und Marcus Schild, Raum für zeitgenössische Kunst. Drei Jahre lang wurden Malereien, Zeichnungen, Skulpturen, Installationen und Performances auf 70 Quadratmetern in der Detlev-Bremer-Straße, aber auch über die Galerieflächen hinaus im urbanen Raum gezeigt. Als der Platz 2015 eng wurde, zogen Galerie und Konzept in die alte Aldi-Filliale um.

Die Affenfaust-Galerie versteht sich getreu ihres Logos (die Affenfaust ist ein runder Knoten, mit dem in der Schifffahrt die Enden von Wurfleinen beschwert werden), als Knotenpunkt verschiedenster künstlerischer und kultureller Formate und als Ort der Vernetzung einer lebendigen Kunstszene. Die Atmosphäre ist locker und entspannt, bei Eröffnungen gibt es viele Bargeschichten und jede Menge Austauschmöglichkeiten; der Eintritt ist kostenlos.

Black Block - Coco Bergholm
Coco Bergholm – untitled / acrylic on canvas, 145x110cm, 2017

Die Galerie vertritt sowohl etablierte als auch junge Künstler am Anfang ihrer Karriere. Wichtig ist dabei vor allem ein überzeugendes Ausstellungskonzept, das vornehmlich aktuelle, gesellschaftliche, politische, mediale oder kulturelle Ereignisse mit einbezieht. Aktuell sind im Rahmen der Ausstellung „Echos“ Arbeiten der Berliner Künstlerin Coco Bergholm zu sehen. Hier ein kleiner Auszug aus dem Ausstellungstext:

Lässt sich ein System gewaltfrei modifizieren? Inwieweit kann der öffentliche Raum als ein Ort des Diskurses genutzt werden?

Der uns umgebende städtische Raum birgt eine Masse an sich verändernden Zeichen und sozio-kulturellen Codes. Coco Bergholms Einzelausstellung ›Echos‹ widmet sich den subtilen Kommunikationsstrukturen, jene, die wir manchmal erst auf den zweiten Blick bemerken. Sie bedient sich dabei den Mitteln der Camouflage, die sie in ihren Arbeiten als eine Art Deckmantel nutzt, um den Blick für Inkonsistenzen und Selbstwidersprüche unserer gesellschaftlichen Muster zu schärfen. Welche Facetten der Tarnung und Privatheit bietet der öffentliche – also offene – Raum? Welches Potential für Austausch, Kommunikation und Meinungsbildung birgt er? (Text: Helene Osbahr)

Artwork: Coco Bergholm
Artwork: Coco Bergholm
Artwork: Coco Bergholm

Dass Kunst vor allem in Verbundenheit, durch weite Vernetzung und intensiven Austausch funktioniert, zeigt sich auch beim Knotenpunkt Festival, das die Affenfaust Galerie seit Ihrer Gründung jährlich in Hamburg – und seit 2017 zusätzlich in Berlin, Leipzig, Köln und Wien – feiert, gemeinsam mit Kooperationspartnern aus anderen Metropolen – z.B. URBAN SPREE (Berlin), RABBIT EYE MOVEMENT (Wien), CityLeaks Urban Art Festival (Köln) und krudebude (Leipzig). Im Rahmen des Festivals sind unter anderem die großen Murals (die Spinne von Nychos und „Two Energie“ von Darko Caramello) im Gängeviertel entstanden.

Übrigens: eine Hausnummer weiter hat im Februar 2017 die Paul Roosen Contemporary eröffnet – eine kleine Ladengalerie, die nationale und internationale Einzelausstellungen beherbergt.

Wenn Ihr beim nächsten Kieztrip geistesbelebende Dinge zu Euch nehmen möchtet, empfehlen wir Euch wärmstens einen Abstecher von der Superbude zur Affenfaust-Galerie! Hier ist nichts verstaubt, sondern frisch, mit viel Straßenkunst, Graffittis, aktuellen Sichtweisen und modernem Denken.

Viel Freude beim Kunst erleben!

Eure Superbude

 

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