Das Uebel & Gefährlich – mystische Clubnächte im alten Bunker

Das Uebel & Gefährlich ist ein über die Grenzen Hamburgs weit hinaus bekannter Flakturm der Hamburger Musik- und Veranstaltungsszene. Geheimnisvollerweise scheint der Club schon seit Jahrhunderten zu bestehen – diesen Eindruck vermitteln jedenfalls der Ballsaal mit seinen meterhohen Vorhängen, alten Mauern und der riesigen Bar, die mit Ölgemälden, Leuchtern und goldumrahmten, floralen Mustern bestückte „Ahnengalerie“, und die gewundenen Treppen und schmalen Gänge, die den Gast zum Turmzimmer und zur Dachterrasse führen. In allen Räumlichkeiten bebt beizeiten der Bunker; Techno- und House-DJ’s, Singer-Songwriter, Poetryslammer, 20er Jahre-Nostalgiker, Rapper, weitere von den Betreibern sorgfältig erwählte Künstler sowie etwa 1000 Gäste nimmt der Club regelmäßig auf.

Der Hochbunker neben dem Heiliggeistfeld im Herzen St. Paulis sieht aus wie eine mit Stoff verdeckte und dann zu Beton gewordene Verhüllungsaktion des Künstlerehepaars Christo und Jeanne-Claude. Die Reichstagsverpacker würden die Grundstruktur des wuchtigen, völlig unverschnörkelten Baus aus dem düstersten Teil unserer Geschichte nicht mit Stoffbahnen durch Umhüllen offenbaren müssen, denn sie zeigt sich auch so, hart und enorm wie der Entwurf eines Beton-Ungetüms. In den obersten Stockwerken dieses Mahnmals befindet sich, mystisch und von meterdickten Mauern umgeben, das Uebel & Gefährlich. Die Location hinterlässt prägende Erinnerungen: insbesondere der Kontrast des wüsten, klobigen Betonkonglomerats mit dem warmen, etwas verspielten, magischen Interieur bleibt dem Besucher im Gedächtnis.

Der Club im Bunker
Der Club im Bunker / Foto: Katja Ruge

Im Uebel & Gefährlich sind Büro und Backstage-Bereich ähnlich mystisch, liebevoll und geheimnisvoll eingerichtet wie der übrige Club. Hier zu fotografieren wäre ähnlich uncharmant wie der Versuch, die Atmosphäre einer eisigen Polarnacht mit farbigen, über den Himmel zuckenden Nordlichtern mit dem Smartphone festzuhalten. Irgendetwas an diesem Ort kann nur direkt erfahren werden.

Für die Organisatoren Stefanie und Malte ist dies besonders die warme, freundliche Stimmung unter allen Beteiligten und die Tatsache, dass man im verwinkelten Club leicht die Orientierung verliert. So verschwimmt das Ort- und Zeitgefühl; man kennt nach einigen Stunden weder Uhrzeit noch Epoche, noch kann man mit Sicherheit sagen ob man sich über oder unter der Erdoberfläche befindet – es sei den, man steigt ganz bis zur Dachterrasse empor und genießt eines der wenigen, kostbaren Sommerkonzerte hoch über Hamburg, wo die Sonne hinter den Musikern im Meer der betaggten Schanzen-Altbauten versinkt. Die nächsten Dachgartenkonzerte finden am 15. Juli („Moon Duo„, Straßenmythologie zwischen Krautrock, Shoegaze und Rock’n’Roll) und am 1. September (My Bubba, ein skandinavisches Folk-Duo) statt.

der Dachgarten hoch über Hamburg
der Dachgarten hoch über Hamburg

Im Backstage-Ledersofa sinke ich einen Meter nach unten vor lauter Gemütlichkeit. Stefanie und Malte erzählen, dass sich hier schon viele Künstler nach den Konzerten zu Hause angekommen fühlten. Das besondere, so wird mir erzählt, sind die Begegnungen auf Augenhöhe. Im Uebel & Gefährlich soll nicht in Hierarchien vor oder hinter der Bühne gedacht werden – vielmehr schaffen Gäste, Künstler und Mitarbeiter gemeinsam eine angenehme Stimmung. Dies führt dazu, dass Freundschaften entstehen, dass die Künstler wiederkommen, im kleinen Turmzimmer ihre ersten Konzerte geben und irgendwann im großen Sall spielen; dass der Indie-Rocker Peter Doherty (Babyshamples) die Regenbogenpresse hinter sich lassen und ein netter Kerl sein kann, der doppelt so lange auf der Bühne steht; oder dass Felix Kubin, die Berliner Band Stereo Total und Clubmitarbeiter nach einem Konzert Backstage zusammensitzen.

Malte und Stefanie betonen, dass im Uebel & Gefährlich alle Events und Parties sorgsam organisiert werden. Den beiden ist es wichtig, ein vielfältiges und genreübergreifendes Programm zu schaffen, hinter dem sie jedoch komplett stehen können und das politisch korrekt bleibt, um den geschichtsträchtigen Bunker zu einem dauerhaft friedlichen Ort rauschender Feste umzuwandeln. So könnt Ihr im Uebel & Gefährlich sowohl arg witzige Poetry-Slammer, die unaufhaltbar durchdringende Anja Plaschg (Soap&Skin), die den ungewarnten Besucher mit ihrer heftigen Stimme bis zum Wahnsinn an die Wand drängt, oder den tollkühnen Trentemöller mit wahnwitzigen Visuals erleben. Im großen Ballsaal tanzen dann bis zu 1000 Menschen durch die Nacht.

Bis zu 1000 Menschen tanzen durch die Nacht
Bis zu 1000 Menschen tanzen durch die Nacht / Foto: Katja Ruge

Übrigens kommen viele der Acts aus dem Uebel & Gefährlich bei uns in der Superbude St. Pauli unter. Wenn Ihr also ab und an das Gefühl habt, ein reales Bandfoto vor Euch zu sehen, so habt ihr nicht zu viel Mate getrunken. Für die Künstler, so erzählt man mir,  ist die Superbude eine beliebte Heimat mit tollen Begegnungen geworden.“Also, das hier ist mehr als ein Hostel“, so munkelt man.

Anschließend möchte ich anmerken, dass ich nicht nur die persönlichen Geschichten aus dem Uebel & Gefährlich erzählt bekommen habe – wie beispielsweise die Geschichte eines treuen Clubfans, der ausnahmsweise seiner Freundin nachts auf dem Dach einen Heiratsantrag machen durfte – sondern dass auch meine Geschichte mit diesem Club eng verwoben ist. Ohne diese eine elektrische Tanznacht hätte ich nie in einer Wohnung am Elbstrand und nun auf einem Boot gelebt, ich hätte nie die Superbude kennengelernt – und ich hätte nie diesen Blogbericht geschrieben.

Vielen Dank also an das Uebel & Gefährlich für die unbezahlbaren Nächte!

Eure Inga aus der Superbude

Nächste Woche geht’s hier um den „Fitfox“ für Fitnessfreunde!

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