Molotow muss bleiben

Das Molotow – der legendärste Kiezclub

Das Molotow rockt und rollt seit einem guten Vierteljahrhundert über den Kiezkies. Die international bekannte und in Deutschland mehrfach zum beliebtesten Club des Landes gewählte Reeperbahn-Legende muss bleiben! und reitet mit diesem Motto auf einer großen Solidaritätswelle. Der Club ist in den Jahren seiner bewegten Geschichte zu einer Instanz geworden, deren Weiterbestehen nicht nur für das Molotow, sondern auch als Sinnbild des Kampfes gegen Verdrängung und Gentrifizierung Bedeutung hat.

In den Jahren 1990 – 2013 befand sich das Molotow in den Esso-Häusern am Spielbudenplatz auf der Reeperbahn – etwa 15 Minuten von der Superbude St. Pauli entfernt. Man kraxelte von der Barebene in einen legendär stickigen Raum mit niedrigen Decken hinab, watete durch Schweiß, Bierlachen und enorme Hitze zur Bühne und konnte nicht selten der Geburt eines Sternes beiwohnen; real und wirklich vor einem stehend spielten hier noch Unbekannte, deren Namen später um die Welt rauschten – zum Beispiel The Hives, The White Stripes, Mando Diao, Mumford & Sons, Die Toten Hosen, Bright Eyes, Wir sind Helden und The Killers. Die Band Muff Potter erwähnt das Molotow in dem Song „Wir sitzen so vorm Molotow„.

I Heart Sharks by Hinrich Carstensen
I Heart Sharks by Hinrich Carstensen

Das Molotow wurde unter anderem durch sein vielfältiges Programm (Indie, Punk, Reggae, Post-Rock, Poetry Slams, Elektro/Rock/Pop-Parties, Pub Quiz, Lesungen…) und seine Sensibilität für Musiktrends bekannt. Als dem Club die Schließung (2008) oder die Verdrängung durch aufgewertete Neubebauung (2013) drohte, standen daher Fans, Bands und Förderer unterstützend zur Seite. Befreundete Clubs boten dem Programm des Molotow nach der Evakuierung des Clubs aus den baufälligen Esso-Häusern ab Dezember 2013 eine Bühne; der Club bekam erst in der Holstenstraße und derzeit in der alten China Lounge am Nobistor Asyl. Auf längere Sicht ist jedoch eine Rückkehr an den Spielbudenplatz geplant.

Dem außergewöhnlichen Club wurde zum 25. Geburtstag sogar ein Buch gewidmet. Wenn Ihr einen besonderen Teil der Hamburger Kulturgeschichte in den Händen halten wollte, empfehlen wir euch die Lektüre von „Molotow-das Buch“.

FJØRT by Iconograpic
FJØRT by Iconograpic

Wir haben beim Molotow direkt nachgefragt, was der Club den Mitarbeitern bedeutet und was ihnen in ihrer Zeit dort besonders in Erinnerung geblieben ist. Nils aus dem Molotow schreibt:

„Ich kann mich noch gut daran errinern, als wir aus dem alten Molotow am Spielbudenplatz ziehen mussten. Nach dem ersten Schock, war es unglaublich was für eine Solidarität von verschiedensten Menschen gezeigt wurde.
Stammgäste, DJs, Tresen, Türsteher. Wirklich alle haben geholfen um das Molotow zu erhalten und einen Neubeginn, bzw. eine Weiterführung ermöglicht.
Ohne deren Hilfe würde es das Molotow nicht mehr geben, ganz klar.
Den Auszug aus der „Tiefgarage“, den Aufbau des Molotow-Exils in einem ehemaligen Möbelhaus und den „Neubeginn“ am Nobistor waren Momente, die ich nicht vergessen werde, da sie unglaublich intensiv waren.

Davon abgesehen gab es aber auch ohne Ende musikalische Momente, die ich nicht missen wollen würde.
Das Konzert von den Sonics im Exil, The Computers in der alten Molotow Bar oder auch Tocotronic am Nobistor waren ganz besondere und einmalige Konzerte“.

md-protestfotografie.com
md-protestfotografie.com

Fenja, ebenfalls Molotow-Mitarbeiterin, schrieb uns:

„Das Molotow ist für mich ein Stück Zuhause. Nicht nur das interne Team, auch viele Stammgäste machen den Laden zu etwas ganz besonderem. Wir alle arbeiten gerne im Molotow und das merkt man auch.
Es gab immer wieder ganz besondere Momente und die wird es auch immer wieder geben. Prägend waren natürlich die beiden Umzüge und die Evakuierung. Hier hat man deutlich gemerkt, dass das Molotow mehr ist als nur ein Club in den die Leute zum feiern hingehen. Viele Molotowfreunde halfen bei den Umzügen. Von ehemaligen Mitarbeitern, das jetzige Team, Stammgäste und auch Leute, die wir bisher gar nicht kannten. Es waren jeden Tag um die 30-40 Leute am Start, die uns tatkräftig unterstützt haben und ohne die das Molotow niemals so schnell wieder hätte aufmachen können. Dieser Zusammenhalt war eine sehr tolle Erfahrung, die ich so vorher noch nicht erlebt habe.

Molotow Auszug by Stefan Malzkorn
Molotow Auszug by Stefan Malzkorn

Tolle Erlebnisse mit Bands gibt es natürlich auch immer wieder.
Ich finde es immer sehr schön, wenn Bands, die in ihrer Anfangszeit im Molotow gespielt haben und mittlerweile die Große Freiheit 36 oder das Docks ausverkaufen, trotzdem danach noch zu uns kommen und hier ein Bier und einen Mexikaner trinken. Daran merkt man auch, dass die Bands etwas mit dem Molotow verbinden. Besonders schön ist es natürlich auch, wenn ein Musiker sich dann entschließt bei uns zu spielen, obwohl er in einer viel größeren Venue spielen könnte, wie Frank Turner vor knapp drei Wochen“.

Das Programm und weitere Infos zum Club findet Ihr auf der Webseite.

Wir grüßen das Molotow und seine Fans herzlich und winken Euch aus der fünften Etage rüber!

Eure Superbude

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