Überjazz Hamburg

Überjazz – wie klingt das?

Vom 24. bis zum 26. Oktober 2014 sollte man in Hamburg sein. Denn am kommenden Wochenende findet zum 5. Mal das genreübergreifende Überjazz-Festival auf dem Kampnagel, dem internationalen Zentrum für schönere Künste, statt. Hier wird unseren  Superbuden -Musikfans im Rahmen des vorzüglichen Indoor-Festivals feinster Jazz samt naher und ferner Verwandtschaft begegnen….

Blue Note Records

Der diesjährige thematische Fokus liegt besonders auf dem 75. Geburtstag des Labels Blue Note Records, das sich den „feinsten Jazz seit 1939“ auf die wehende Flagge schreibt. Das Label hat bereits einige Jazzgrößen noch größer gemacht: zum Beispiel den wunderbaren Ausnahmesänger Gregory Porter, der pünktlich zum Labelgeburtstag den Grammy für das beste Jazzvokalalbum des Jahres („Liquid Jazz“) erhielt. Oder den Musiker Wayne Shorter, der in diesem Jahr ebenfalls mit einem Grammy für das „Beste improvisierte Jazzsolo“ ausgezeichnet wurde.

Der feine Jazz dieses Labels flirtet synchron mit Tradition, Moderne und genreübergreifenden Experiementen. Auf dem Überjazz wird Blue Note Records unter anderen von Ambrose Akinmusire, José James und dem Julia Kadel Trio vertreten. Da werden die Jazzliebhaber unter euch sicherlich auf die Jazzliebhabern oft eigene Art introuvertiert-exstatisch, mit nicht zurückhaltbaren „Ahhhey“-Rufen zuhören.

Ihr wollt einen Vorgeschmack? Alles klar.

Ambrose Akinmusire, das klingt wie: einen unbekannten Dachboden durchstöbern, während Sonnenlicht durch einige Dachschindelritzen fließt und wabernden Staub erleuchtet. Man entdeckt dabei im Halblicht Hinterlassenschaften vorheriger Bewohner – eine Marionette, ein grobgemustertes Sofa, Kabelsalat, Schmetterlingsflügel, einen Ölmalkasten – die sich übereinanderordnen und über die Jahre eine Sedimentschicht-Chronologie erzeugt haben.

José James, der beim diesjährigen Überjazz zeitweilig vom Streichquartett Ensemble Resonanz begleitet wird und sicherlich auch Stücke aus seinem aktuellen Album „While You Were Sleeping“ spielt, klingt wie: Saunen, danach einen Seidenbademantel anziehen und sich in ein Wasserbett legen, dabei einen White Russian trinken und ein wahrhaftiges Bananeneis mit Schokostreuseln essen.

Wunderbare, majestätische Langsamkeit mit meditativen Episoden könnt ihr von Bohren & Der Club Of Gore hören. Und das klingt wie: auf einem riesigen Frachtschiff mit zeitloser Geschwindigkeit im Nebel in Richtung Elbmündung reisen, während die Morgensonne bleich, mondartig und übergroß durch die schwarzen Schornsteinschwaden lugt und unter Deck leise die Reste der vorherigen Whiskeynacht von Holztischen gewischt werden.

Hamburger Jazz

Neben Blue Note Records wird auch unser Hamburg künstlerisch reichlich vertreten sein – zum Beispiel von Felix Kubins kosmopolitischem Astralirrsinn, genannt „Axolotl lullabies“ oder „Menstruation Glamour“. Er wird dieses Jahr gemeinsam mit der hypnotischen, hyperaktiven polnischen Band „Mitch & Mitch“ auftreten. Auch das hat seinen Klang, nämlich den von betonflügeligen Überlebenswürmern und verselbstständigten Synthezisern kurz vor dem Kurzschluss, wobei viele bunte Glühbirnen leuchten und durchbrennen. Das ganze wird von außen betrachtet und kommentiert.

Das Hamburger Ensemble Du Verre klingt wie: elektronischer Akazienhonig, durch einen Kaleidoskop betrachtet. Beeinflusst von: Sonne, Mond und Sternen.

Das Jazz & Lyrik -Projekt von Jaques Palminger und dem ebenfalls in Hamburg entstandenen 440 Hz Trio klingt wie: das Schnurren innerer Katzen, die ausnahmsweise Gin Tonic trinken und einen abgrundtief hässlichen Aal verspeisen dürfen – und sowohl dessen Achselhaare als auch die Tatsache hinnehmen, dass das Tier noch im Magen von den Geschwistern „Nett“ und „Scheiße“ spricht.

Der Festivalsonntag wird ausschließlich dem aus zwei Acts bestehenden Abschlusskonzert von den verwunderlich experimentellen JazzHipHoppern Shabazz Palaces (ein Roadtrip durch Washington mit dem Ziel Seattle – mit einem Ghettokid, einem extraterristischen Lebewesen und Jack Kerouac) und dem Solovirtuosen Dorian Concept (sich nach einem Anstoß ewig drehender Astronaut im Orbit, der musikalisch seine visuellen Eindrücke beschreibt) gewidmet.

Kampnagel
Jarrestraße 20
22303 Hamburg

Tickets: zwischen 25,00 € (Tagesticket) und 92,90 € (3-Tagesticket), HVV-Ticket inklusive

Von den Superbuden aus in 30 min erreichbar: U3 vom Berliner Tor (Superbude St. Georg) oder von der Feldstr. (Superbude St. Pauli) bis zur Station Mundsburg und von da aus mit dem Bus 172/173 bis Haltestelle Jarrestraße, oder U3 bis Station Borgweg und ca. 10 Minuten Fußweg.

Superbude und Movember – wie das klingt, könnt Ihr in unserem nächsten Blogbericht lesen!

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